
ZUSAMMENFASSUNG
Das Anwesen, um das es hier geht, spielte in der Gemeindegeschichte der letzten hundertfünfzig Jahre eine bedeutende Rolle . So diente es zunächst als Herberge für die zahlreichen Gästen aus dem Ausland, die jene Regionen bereisten. Danach wurde es während der Choleraepidemie des Jahres 1856 vorübergehend in ein Krankenhaus umfunktioniert, um schließlich in eine Schule umgewandelt zu werden. Als solche diente es bis zum Schuljahr 1997/ 98.
Besagtes Gebäude gehörte Manuel Joaquim da Costa Andrade, der es mit ziemlicher Sicherheit auch erbaut haben dürfte und es dann José Júlio Drumond Júnior hinterließ. Von diesem ging es auf Dona Amélia Carolina de Sousa Andrade über, die es an die heutigen Besitzer verkaufte.
1. HERBERGE
Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weckte der Norden der Insel Madeira das anhaltende Interesse neugieriger Reisender aus dem Ausland. Um den Zustrom von Besuchern auf Dauer zu sichern, wurden entsprechende Einrichtungen für den Fremdenverkehr geschaffen, wie zum Beispiel die Herberge von Caramujo. Doch auch einzelne Privatpersonen witterten die einmalige Chance, die ihnen der Tourismus bot, und so errichteten sie ebenfalls einige Herbergsbetriebe. So konnte man sich in São Vicente in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts etwa im Hause von Manuel Joaquim da Costa Andrade oder aber im Hotel des Senhor Dinis einquartieren, während in Ponta Delgada das Haus von José Artur zum Verweilen einlud. Mit erstgenannter Adresse ist das Anwesen gemeint, von dem hier die Rede ist.
Gewiss geht auf diese Zeit auch die Errichtung eines Spielfeldes zurück, das allein dem Kricket vorbehalten war, diesem bei den Engländern so beliebten Freizeitsport. Vornehmlich waren es nämlich Engländer, die anfänglich den Norden der Insel erkundeten und somit auch die Herberge aufsuchten. Es sei bemerkt, dass der Volksmund bis heute eine in der Nähe des Anwesens gelegene Freifläche als "Croque" bezeichnet. Besagtes Spielfeld gibt Aufschluss über Rang und Herkunft der häufigsten Besucher und bestätigt die Überlieferung, der zufolge die Herberge einen herausragenden Ruf bei den Reisenden an Madeiras Nordküste genoss.
2. KRANKENHAUS
Im Jahr 1856 wurde Madeira von einer Choleraepidemie heimgesucht, die besonders schlimm im Städtchen und Gemeindebezirk S. Vicente wütete. Auf Betreiben der Behörden fanden sich mehrere Ärzte ein, außerdem wurde für die Einrichtung einer improvisierten Krankenstation gesorgt, über deren Standort indessen keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen. Die mündlichen Überlieferungen verweisen jedoch darauf, dass eben dieses Gebäude als Krankenhaus gedient haben soll. Demzufolge habe sich hier das Krankenhaus befunden, das im August 1856 geschaffen wurde, um die zahllosen Cholerapatienten zu behandeln, die im näheren Umkreis, in besonderem Maße aber im Gemeindeteil Feiteiras , der Seuche zum Opfer gefallen waren. Die Herberge sei somit während der Epidemie in ein Krankenhaus umgewandelt worden, um nach 1857 wieder zur ihrer alten Funktion zurückzukehren.
3. SCHULE
Seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts gab es in der Gemeinde auch ein geordnetes Unterrichtswesen. Es erwies sich jedoch oft als schwierig, für eine Schule geeignete Räumlichkeiten zu finden, weshalb man unausweichlich auf Wohnhäuser in Privatbesitz zurückgreifen musste. Im Jahr 1902 hielt man im Gemeindeteil Feiteiras nach einem passenden Gebäude Ausschau, da dieser Standort den Vorteil einer relativ zentralen Lage bot und somit für alle Kinder des Umkreises leicht erreichbar war. Die Wahl fiel schließlich auf dieses Anwesen, das sich damals im Besitz von José Júlio Drumond Júnior befand. Zunächst wurde ein Pachtvertrag auf neun Jahre geschlossen, der sich auf 190.000 Réis belief und einige Renovierungsmaßnahmen vorsah. In dieser Funktion sollte das Gebäude dann fast ein Jahrhundert lang bestehen bleiben, bis es im Jahr 1998 den heutigen Eigentümern zurückgegeben wurde.
Alberto Vieira